Blog-Eintrag

Anleitung zum Händetrocknen.

von Thomas Landauer am 15.8.2009

Papierspender"Paper Jack" der Firma ille

Wie funktioniert ein Papierspender? Hingreifen, Papiertuch herausziehen, fertig. Nicht so der elekronische „Paper Jack“ der Firma ille. Er benötigt gleich zwei Hinweisschilder, die seine umständliche Arbeitsweise erklären.

Im Detail: Der Hinweis „Bitte Hand vor den Sensor halten“ erklärt, was zu tun ist. Aber wo ist dieser Sensor? Gleich rechts daneben. Das Problem: Er sieht nicht aus wie ein Sensor, sondern wie ein Druckknopf.

Es ist unüblich, dass ein Papierspender mit komplizierter Elekronik vollgestopft ist - daher drücken die Benutzer, bevor sie lesen. Die Folge: Der Sensor-Knopf ist irgendwann so abgegriffen, dass die Beschriftung nicht mehr lesbar ist.

Hier liegen also insgesamt gleich drei Denkfehler vor:

  1. Der theoretische Vorteil (mehr Hygiene, weil niemand mit nassen Händen etwas angreifen muss) ist weitaus geringer als der Nachteil (allgemeine Verwirrung auf Grund der unüblichen Funktionsweise). In der Praxis fuchteln die ratlosen Benutzer vor dem Gerät herum, schauen hier, drücken da, ziehen dort. De facto also ein Weniger an Hygiene. Diese Überlegung hätte der Hersteller schon ganz am Anfang, vor Produktionsbeginn, anstellen müssen.
  2. Wenn schon ein Sensor, dann sollte er auch aussehen wie ein Sensor: ein rundes Glas, aus dem ein rotes Licht leuchtet. Nicht ein erhöhter Knopf mit einem Hand-Symbol, das eher „Stopp“ suggeriert.
  3. Der Sensor sollte auch dann anspringen, wenn die Benutzer unter das Gerät greifen (wo sie das Papier entnehmen wollen), nicht nur wenn sie vor das Gerät greifen.

Fazit: Ein hervorragendes Beispiel, wie man durch Einsatz von aufwändiger Technik einen einfachen Vorgang unnötig kompliziert machen kann. Oder, wie der Psychologe Donald A. Norman sagt: when simple things need instructions, it is a certain sign of poor design.

Norman Donald A. (1988): The Psychology of Everyday Things. ISBN 0-465-06709-3. Seite 166

Nachtrag 8.1.2010

Papierspender "enMotion" der Firma Lotus

Das Konkurrenzprodukt der Firma Lotus macht’s besser (wie oben vorgeschlagen): Der Sensor pulsiert rot und das „Wisch“-Symbol gibt wenigstens einen gewissen Hinweis darauf, wie er funktioniert.