Publikation: Usability-Kurz-Prüfbericht14. Juli 2010

Mehr Liebe für www.wiederlieben.at

TV-Werbespot Wiederlieben.at

Der Pharma-Hersteller Eli Lilly will mit TV-Spots (siehe rechts) und der Website wiederlieben.at Aufklärungs­arbeit in Sachen Erektionsstörungen leisten. Obwohl bei oberflächlicher Betrachtung ganz gut, zeigt die Website in unserem Kurz-Prüfbericht viele Usability-Schwächen – mehr Liebe wäre gefragt.

Startseite

Startseite Die Startseite ist – auf den ersten Blick – solide Arbeit:

Jetzt der genauere (kritische) Blick:

Usability-Schwachpunkt aller Seiten: der Text

BehandlungsmethodenAuch alle weiteren Seiten sind nur auf den ersten Blick gut gemacht: Es gibt Statistiken, Studien und praktische Tipps. Aber auch hier trügt der Schein.

Exemplarisch die Seite „Behandlungsmethoden“: Sie beginnt mit einer Gliederung in Medikamente, mechanische Hilfsmittel und chirurgische Eingriffe. Diese Einteilung ist für die Benutzer aber nicht sinnvoll, da sie im Vorhinein nicht wissen können, welche Methode für sie die richtige ist. Außerdem ist die Aufzählung nicht vollständig: Die Punkte psychotherapeutische und Selbsthilfe (Stressabbau, Alkoholverzicht usw.) fehlen.

Behandlungsmethoden: MedikamenteSchwerwiegender wird’s beim eigentlichen Text. Ein Beispiel von der Seite über die Behandlung mit Medikamenten:

Intraurethrale Applikation von Prostaglandin E1
Bei dieser Methode wird ein gefäßerweiterndes Medikament (Prostaglandin E1) lokal in Form eines Urethral Sticks mittels eines Applikators über die Harnröhrenöffnung in die Harnröhre verabreicht, über die Harnröhrenschleimhaut aufgenommen und bewirkt so eine Erektion.

Für normale Benutzer ist dieser Text unverständlich. Aber er enthält nicht nur zu viele Fachbegriffe und Fremdwörter, sondern beantwortet auch viele Fragen nicht:

Fazit

Die (PR-)Grundidee von Eli Lilly war richtig. Aber wenn man schon antritt, um die Informationsplattform über Erektionsstörungen zu schaffen (und sie auch mit teuren TV-Spots bewirbt), muss einfach mehr Herzblut hinein. Da reicht es nicht, nur aus dem Medizin-Handbuch abzuschreiben, sondern die Informationen müssen wirklich aus Sicht der Benutzer aufbereitet werden.

Auch ein Blick über den Tellerrand wäre gut: So sollten z.B. auch Frauen angesprochen werden (zumindest mit der Hauptfrage: „Was kann ich als Partnerin tun?“). Außerdem erwarten sich die Benutzer auf einer professionellen Seite zumindest irgendeine Art der Kontaktmöglichkeit: Sei es ein simples Kontaktformular zu Eli Lilly, sei es ein direkter Kontakt zu einem Arzt (z.B. per E-Mail), sei es ein Selbsthilfe-Forum für Betroffene – am besten natürlich alle drei.

Unterm Strich: Wer tausende Euro in TV-Werbung steckt, sollte auch in das beworbene „Produkt“ ein bisschen mehr Liebe investieren. Im Moment werden die Interessenten zwar professionell angelockt, bleiben dann aber enttäuscht zurück.

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