Publikation: Usability-Kurz-Prüfbericht21. Juli 2010

Sommer, Sonne, Stolperstein

Werbeplakat der St. Martins ThermeViele Stolpersteine liegen auf dem Weg zur „Sommerinsel im Burgenland“. Es beginnt schon bei der Domain der Therme St. Martins: Die einzig korrekte Schreibweise lautet „www.stmartins.at“. Wer sich den exakten Wortlaut aber nicht gemerkt hat (oder – wie auf dem Plakat rechts – die Web-Adresse gar nicht sehen konnte), muss sich mühsam durchprobieren.

Nur eine kleine Auswahl an Möglichkeiten:

Domain Inhaber aktiv
sanktmartins.at Vamed GmbH (=Besitzer der Therme) nein!
stmartin.at St. Martin bei Lofer ja
sanktmartin.at St. Martin am Tennengebirge ja
martin-therme.at frei nein
therme-martin.at frei nein
martin.at Josef Martin GmbH ja

Hier tritt ein tiefer liegendes Problem zu Tage: Der Name „St. Martins“ ist unglücklich gewählt, denn in Österreich gibt es insgesamt 27 Orte namens „Sankt Martin“ (12 Gemeinden, plus 15 Ortsteile). Tatsächlich liegt die Therme in keinem dieser Sankt Martin’s, sondern in Frauenkirchen.

In Zukunft wird es sogar noch komplizierter, denn in St. Martin bei Lofer (Tirol) wird ebenfalls eine Therme errichtet. Auf der Gemeinde-Website www.stmartin.at gibt es bereits jetzt einen Link „Thermenprojekt“. Das wird früher oder später auch in Google zu einiger Verwirrung führen. Dort ist die St. Martins Therme schon jetzt relativ schlecht aufgestellt: Sowohl bei der Suche nach „therme martin“ als auch bei „martin therme“ erscheint der „richtige“ Treffer erst an vierter Stelle.

Einstiegshürde: das Flash-Intro

Die Website am iPhoneEiner der Gründe für die schlechte Suchmaschinen-Positionierung ist, dass vor der eigentlichen Startseite ein Flash-Intro gezeigt wird. Das bringt noch zwei weitere große Nachteile:

Die eigentliche Website

Die eigentliche StartseiteDie Idee, die gesamte Website als Buch zu „verkleiden“, erscheint zwar auf den ersten Blick originell, ist bei genauerem Hinsehen aber nicht praktikabel:

Auch der Inhalt schwächelt. Wichtige Fragen der Benutzer werden nicht schnell beantwortet, sondern erst „tief“ in der Website. Hier einige Beispiele:

Frage Klicks Anmerkung
Wo liegt die Therme? (Anfahrtsplan) 2 nur als PDF-Download; Wien nicht eingezeichnet
Was kostet der Eintritt? 2 versteckter Wochenend-Aufschlag
Öffnungszeiten? 2 schwer zu finden
Sauna? 2 keine Detail-Informationen zu finden
Massagen? 3 keine Detail-Informationen zu finden
Wie schaut’s dort aus? (Bilder) 2 sogar ein aufwändiges Video (aber schwacher Inhalt)

Für so entscheidende Fragen sind zwei bis drei Klicks einfach zu viel. Die wichtigsten Anliegen der Benutzer sollten schon direkt auf der Startseite beantwortet werden, alle anderen höchstens einen Klick entfernt.

Viele technische Mängel

Suche nach "sauna"

Fazit

Die Plakat-Kampagne macht neugierig, aber die eigentliche „Kaufentscheidung“ findet nicht an der Litfaßsäule statt, sondern im Web. Wenn man die Kunden dort sofort wieder verliert, war es unnötig, sie zuvor um viel Werbegeld hinzulocken.

Kommentare

Bisher keine Kommentare.

 

Eigenen Kommentar schreiben:

(freiwillig)
(freiwillig; wird nicht veröffentlicht)